Was ist ein digitaler Garten?

Ein digitaler Garten ist wie ein Blog, nur anders. Erstmal äusserlich: In einem Blog werden üblicherweise fertige Artikel publiziert, mit einem Publikationsdatum versehen und in einer Übersicht von Neu nach Alt dargestellt. Fertig im Sinne von: Die Autorin hat so lange am Text geschliffen, bis er als fertig genug galt, um an die Öffentlichkeit zu kommen. Er ist eng mit dem Publikationsdatum verknüpft und stellt, ähnlich wie eine Zeitung, die an einem bestimmten Tag erscheint, eine Art Momentaufnahme für diesen Tag dar.

Im Gegensatz dazu ist in einem digitalen Garten viel mehr work in progress. Beiträge werden auch mal publiziert, wenn eine Idee noch nicht ganz ausgereift ist. Sie erlauben es Lesenden deshalb, am Entstehungsprozess einer Idee teilzuhaben. Notizen in einem digitalen Garten sind nie ganz fertig und werden über einen längeren Zeitraum weiterentwickelt, wie Pflanzen, die gewässert werden.

Kleine, aber feine Unterschiede

Für Autor:innen heisst das, vom Anspruch loszulassen, etwas Fertiges publizieren zu müssen. Statt regelmässig Texte zu veröffentlichen, entwickeln digitale Gärtner:innen ihre Ideen laufend weiter. Besucher:innen orientieren sich weniger am Publikationsdatum, sondern steigen irgendwo ein und explorieren den Garten, indem sie via Links von Idee zu Idee springen.

Denn typisch an einem Garten ist ebenfalls, dass die Notizen dicht miteinander verlinkt sind. Diese Verlinkungen können visuell dargestellt werden und auch sogenannte Backlinks werden oft angezeigt – also eine Übersicht darüber, welche Notiz auf die aktuelle Notiz verlinkt. In einem digitalen Garten zu lesen ist also viel weniger dadurch geprägt, wann etwas veröffentlicht wurde, sondern von Ideen, die verlinkt sind. Lesende können von Idee zu Idee hüpfen.

Meine Inspirationsquellen

Diese digitalen Gärten haben mich auf die eine oder andere Weise inspiriert:

  • The Garden of Maggie Appleton: Maggie ist sowohl Chronistin als auch Innovatorin, was digitale Gärten betrifft.
  • Digitaler Garten von Ricardas Kiel: Der schönste und reichhaltigste digitale Garten in deutscher Sprache, den ich kenne.
  • Simon Spätis Second Brain: Englischer digitaler Garten des Schweizers Simon Späti.
  • Andy’s Working Notes: Andy Matuschak hat die Konzepte und die Kultur des digitalen Gärtnerns massgeblich geprägt.
  • Gwern: Gwerns Website war ein digitaler Garten, bevor es digitale Gärten gab. Sein Ding sind umfangreiche Essays, die er über eine lange Zeit weiterentwickelt.

Und hier?

Was macht diese Website zu einem digitalen Garten? Folgende Elemente sind typisch:

  • Jede Notiz hat neben dem Publikationsdatum auch ein Aktualisierungsdatum. Bei der Übersicht finden diejenigen Notizen zuoberst, die zuletzt aktualisiert wurden.
  • Es ist ersichtlich, welche anderen Notizen auf eine bestimmte Notiz verlinken – sogenannte Backlinks. So lässt sich nachvollziehen, wo sonst eine Idee eine Rolle spielt.
  • Notizen haben am Ende eine grafische Übersicht, mit welchen anderen Notizen sie (durch Links) verbunden sind. So werden Verbindungen ersichtlich.
  • Bei der Betrachtung auf Desktop-Computern (also nicht auf dem Handy) wird bei Links eine Notiz-Vorschau angezeigt, wenn man mit der Maus darüberfährt.

Ich kann mir vorstellen, in Zukunft noch weitere Features wie der Reifegrad einer Notiz (z.B. 🌱Setzling, 🌿 Knospe und 🌲 Ausgewachsen) einzubauen.

Weitere Lektüre

Für eine umfassende Abhandlung zur Geschichte und zum Ethos des digital Gardens A Brief History & Ethos of the Digital Garden (auf Englisch).

Verbindungen